Die Mannheimer Sommermusik

aus der Region, für die Region!

Ein Festival der Alt-Katholischen Kirchengemeinde Mannheim-Ludwigshafen

Seit seiner Gründung war die Mannheimer Residenz, sowohl regional als auch international, ein Zentrum der Musik. Schon im 18. Jahrhundert strahlte das musikalische Leben, vor allem durch die neuen Strömungen der Mannheimer Schule weit über die Grenzen der Stadt und der Region hinaus. Künstler wie Johann Christian Bach und Wolfgang Amadeus Mozart konnten sich hier entscheidende Impulse für ihr musikalisches Wirken holen. Die Schlosskirche, oder damals auch ganz einfach „die Capell“ bezeichnet, nahm dabei neben dem Rittersaal und dem leider zerstörten Opernhaus eine gleichwertige Rolle ein, also auch wiederum als ein Zentrum regionaler und internationaler Künstler.

Im Laufe der Jahrhunderte hat sich sicherlich vieles verändert. Seit 1870 hat die Alt-Katholische Kirchengemeinde ihr Zuhause in der Schlosskirche gefunden. Doch was auch im 21. Jahrhundert noch gleich gebl ieben ist, ist das Bewusstsein und die Aufgabe, diesen Raum außerhalb seiner Funktion als religiöser Ort, Künstlern von nah und fern zu öffnen. Ein erster Schritt dazu wurde bereits vor über zehn Jahren mit der Gründung der Internationalen Schlosskonzerte getan. Alljährlich sind in der vorweihnachtlichen Zeit bis Sylvester mit stetig wachsendem Erfolg Musiker von internationalem Rang in der Kirche zu hören.

Um nun aber auch dem zweiten, dem regionalen Aspekt wieder mehr Bedeutung zukommen zu lassen, hat ein Team im Umfeld der Alt-Katholischen Gemeinde im Jahr 2008 die Mannheimer Sommermusik ins Leben gerufen. Alle zwei Jahre treffen sich nun im Juni Künstler, vor allem Musiker aus der ganzen Region und präsentieren vier Wochen lange ihr musikalisches Können.

Ein wichtiges Wesensmerkmal der Metropolregion Rhein-Neckar ist neben der Stark industriell geprägten Seite auch die kulturelle Vielfalt. Kunst und Kultur spielen hier auch im alltäglichen Leben eine große Rolle, einerseits durch von den Bundesländern, vom Staat und von den Kommunen geförderten Institutionen, andererseits aber auch getragen von einer Vielzahl an Vereinen und Interessensgemeinschaften, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Kunst und Kultur zu unterstützen und auch zu fördern. Die Mannheimer Sommermusik versucht hier auch ein Bindeglied darzustellen, um Künstler aus der ganzen Region zu einander zu bringen. Durch die Schaffung eines attraktiven Rahmens werden hier vor allem Musikern die Möglichkeit gegeben ihr Können einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. Um diese Öffentlichkeit auch zu erreichen ist es ein großes Anliegen der Mannheimer Sommermusik allen, also auch sozial schwächer gestellten Mitbürgern das Festival zugänglich machen.

Die Mannheimer Sommermusik will also ein Festival sein, aus der Region, für die Region.

Ein Jahr mit einer geraden Jahreszahl und es ist Sommer: Seit vielen Jahrzenten eine Zeit, die die Herzen der Fußballfreunde höher schlagen lässt. Warten doch immer spannende Spiele im Rahmen von Weltmeisterschaften und Europameisterschaften auf die Fußballfans. In der Alt-Katholischen Gemeinde in Mannheim an der Schlosskirche ist dies bestimmt auch nicht anders, jedoch schlagen seit 2008 zudem auch die Musikerherzen etwas höher, wenn sich die Türen der Kirche in der Mannheimer Residenz für Musiker aber auch für Musikbegeisterte weit öffnen und zur Mannheimer Sommermusik einladen. Nach einer spannenden Reise durch Klangwelten 2008 und vielen kleineren und größeren Bachküsschen 2010 werden nun 2012 in der Zeit vom 9. Juni und 22. Juli viele französische Momente das Publikum verzaubern. Die 3. Mannheimer Sommermusik, 2012 unter dem Motto „à la française“ setzt die gute Tradition ihrer beiden Vorgängerinnen fort und präsentiert Künstler aus der ganzen Metropolregion. Dabei sind bereits bekannte Künstler, wie zum Beispiel der Junge Kammerchor Mannheim, das Symphonische Blasorchester der Musikschule Mannheim, Joyful voices – Das Rote Mikrofon oder der Konzertchor Cantus Vivus Bergstraße aber andrerseits präsentieren sich auch neue Gesichter zum ersten Mal im Rahmen der Mannheimer Sommermusik wie zum Beispiel der Musikverein aus Dossenheim oder auch Anja Hubert, die das Publikum selber mit einer musikalischen Musikbox vor die Qual der Wahl stellt.

Das Gesamtprogramm spannt einen großen Bogen von eher sanften chansons d´amour et de félicité bis hin zu den mächtigen Klängen der Grande symphonie funèbre et triomphale. Ergänzt wird das Programm durch die musikalische Gestaltung von mehreren ökumenisch-geprägten Gottesdiensten, einem Tanznachmittag und einer Ausstellung mit Bildern von Dieter Sauer. Das Organisationsteam um Daniel Fieß und Gerd Winter setzt auch bei dieser Sommermusik wieder auf die auf die gute Tradition von Kooperationspartnern. Wie bereits 2010 wird auch die Zusammenarbeit mit den Mannheimer Bläsertagen und der künstlerischen Leitung von Tobias Mahl weitergeführt. So arbeitet das Sommermusikteam bei diesem Festival aber auch mit den Organisatoren des Christopher-Street-Day Rhein-Neckar e.V. zusammen die den Abend mit Rosa Kehlchen und weibrations präsentieren. Besonders freut man sich in der Mannheimer Schlosskirche, dass Helen Heberer, Mitglied des Landtags von Baden-Württemberg und auch zugleich Mannheimer Stadträtin, wieder die Schirmherrschaft übernommen hat.

Die Mannheimer Schlosskirche

Jahrhundertelang lag das alte, beschauliche Fischerdorf Manninheim am Neckar. Schon im Jahre 766 wurde es im Lorscher Codex erwähnt. Am 17.03.1606 legte Kurfürst Friedrich IV., der spätere Winterkönig, den Grundstein für die Festung Mannheim. Schon im Januar 1607 wurde Mannheim zur Stadt erhoben und mit Privilegien ausgestattet. Erstmals im Dreißigjährigen Krieg (1622) und erneut im Pfälzer Erbfolgekrieg (1689) wurde die junge Stadt zum Kriegsschauplatz. Dabei wurde sie nahezu völlig zerstört. Religionsstreitigkeiten mit der Protestantischen Gemeinde in Heidelberg veranlassten den katholischen Kurfürsten Carl Philipp, seine Residenz nach Mannheim zu verlegen. Am 2. Juli 1720 legte er den Grundstein zum neuen Residenzschloss der Superlative nach dem Vorbild von Versailles. Mit dem Areal der zerstörten Friedrichszitadelle bot sich ein ideales Gelände für die grandiosen Pläne. Erste Entwürfe zur Anlage stammten von Johannes Kaspar Herwarthel aus Mainz und Louis Remy de la Fosse, dem Hofarchitekten des Landgrafen von Darmstadt. Der Plan zum Bau der Schlosskirche wurde bereits im ersten Bauabschnitt von Nicolas de Pigage umgesetzt, da sie als Grablege für den im fortgeschrittenen Alter stehenden Kurfürsten gedacht war. Sein einbalsamierter Leichnam wurde dort 1743, neun Jahre nach seiner dritten Gemahlin Violanta Theresia von Thurn und Taxis in der Gruft beigesetzt. Damit hat Carl Philipp die Vollendung des Schlosses im Jahre 1760, nach 40 Jahren Bauzeit, selbst nicht mehr erlebt. Das blieb seinem Nachfolger Carl Theodor vorbehalten. Jedoch bereits 1778 übersiedelte er nach dem Tode des bayerischen Kurfürsten nach München. Damit endete die Blütezeit der Stadt Mannheim und somit auch des Schlosses. Das Schloss verfiel in einen Dornröschenschlaf bis es 1819 von Großherzogin Stephanie als Witwensitz bezogen wurde. Nach ihrem Tode im Jahre 1860 hatte man keine Verwendung mehr für die leerstehenden Räumlichkeiten. Das Geld, das für die Unterhaltung der Gebäude aufgebracht werden musste, belastete den Stadthaushalt enorm. Also suchte man nach neuen Nutzungsmöglichkeiten. Diese boten sich, als das Rote Kreuz im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 Räumlichkeiten für sein Hauptdepot suchte. Von nun an stapelten sich Decken und Verbandsmaterial in der Kirche. Nur 150 Jahre nach der Grundsteinlegung war aus der Kurfürstlichen Hofkirche der Lagerraum einer Hilfsorganisation geworden. 1874 wurde die Schlosskirche durch den Großherzog von Baden der jungen alt-katholi-schen Gemeinde von Mannheim zur Nutzung als Gotteshaus über-lassen. Von außen gesehen hatte sich seit dem Bau der Schlosskirche so gut wie nichts verändert. Aber im Inneren war durch verschiedene Umbauten ein anderes Interieur entstanden. Bereits 1780 hatte man den Chorraum erstmalig umgestaltet. Der Gesamteindruck wandelte sich im Laufe der Zeit vom heiteren französischen Barock zu einem mehr klassizistisch geprägten Stil. In dieser Ausstattung wurde das Gotteshaus bis zur Zerstörung im 2. Weltkrieg genutzt. Im Zweiten Weltkrieg wurden Schloss und Schlosskirche so schwer beschädigt, dass man ernsthaft darüber nachdachte, die gesamte Ruine abzureißen, um Platz für innerstädtische Wohnungen und eine bessere Verkehrsanbindung nach Ludwigshafen zu schaffen. Der promovierte Kunsthistoriker Dr. phil. Hugo Roder war seit 1951 Geistlicher in der alt-katholischen Gemeinde von Mannheim. Er setzte sich mit allen Mitteln für den Wiederaufbau der barocken Anlage ein, so dass am 1. Juli 1956 die Schlosskirche zu Ehren der Allerheiligsten Dreifaltigkeit neu geweiht werden konnte. Wegen seiner Verdienste um den Wiederaufbau wurde er, seinem Wunsche entsprechend, in der Gruft „seiner“ Schloss-kirche beigesetzt. Die Renovation der Schlosskirche ist überall einmütig als Musterbeispiel deutscher Denkmal-pflege anerkannt, obwohl, oder gerade weil einige stilistische Unge-reimtheiten, die sich im Laufe der Jahrhunderte eingeschlichen hatten, nicht wieder hergestellt wurden. Bei baulichen Veränderungen ging man sehr sensibel zu Werke: Die Orgel verlegte man vom Altarraum weg an die Stelle der zerstörten Kurfürstenloge. Auch der Altarraum selber mußte neu gestaltet werden. Auf die ehemalige Orgelempore wurde verzichtet und statt dessen auf einen Altarentwurf zurückgegriffen, der vermutlich auf Paul Egell aus dem Jahre 1740 zurückgeht. Das Altargemälde zeigt heute eine meisterhafte Reproduktion des Gemäldes „Die Anbetung der Heiligen Drei Könige“ von Giovanni Battista Tiepolo, das dieser im Original 1753 für das Kloster Schwarzach in Franken geschaffen hat. Gemalt wurde es von Prof. August Bresgen. Das Deckengemälde, das ursprünglich von Cosmas Damian Asam stammte, restaurierte Carolus Vocke aus dem nahen Ladenburg, einer der ganz wenigen Künstler, der noch die Kunst der Deckenmalerei beherrschte. Viele Teile der Außenmauern und Fassade sind trotz der Zerstörung noch original erhalten geblieben, so zum Beispiel das eindrucksvolle Giebelrelief von Paul Egell (1691 – 1752), das die Allerheiligste Dreifaltigkeit darstellt. Die Kurfürstengruft blieb im Originalzustand erhalten. Die Stukkaturen, die aus der Hand von Egid Quirin Asam (1692 – 1750), dem Bruder des Schöpfers des großen Deckengemäldes, und von Paul Egell stammen, wurden 1954 – 56 vom Stukkateur Hans Weishaupt liebevoll originalgetreu restauriert. Bis heute wird die so wiederhergestellte Schlosskirche von der Alt-Katholischen Gemeinde als Gotteshaus genutzt.

Buchtipp

Johannes Theil: … unter Abfeuerung der Kanonen Gottesdienste, Kirchenfeste und Kirchenmusik in der Mannheimer Hofkapelle nach dem Kurpfälzischen Hof- und Staatskalender 264 Seiten ISBN-13: 978-3-8370-2545-3 29,80 € im Buchhandel) oder online bestellen In den Hofkalendern aus der Zeit des Kurfürsten Carl Theodor ist anlässlich der Namenstage der kurfürstlichen Herrschaften regelmäßig als Regieanweisung zu lesen: „Während des hohen Amtes werden bey dem Gloria in Excelsis, sodann bey Anstimmung des Te Deum, und endlich bey dem letzten heiligen Seegen die Kanonen und Wällen gelöst.“ Während in der Schlosskirche wichtige Elemente der Liturgie ausdrucksstark gestaltet werdenm ertönte von draußen Gedonner: das Mysterium Tremendum Gottes wurde fast physisch erlebbar gemacht. – Selbst die besten Opernaufführungen reichten an diese gottesdienstlichen Inszenierungen kaum heran; speziell die Christmette in diesem Sakralraum wurde gerühmt als „eine fête, die über alle fêten und Opern geht“. Diese Arbeit rückt die Schlosskirche vor allem in ihrer Funktion als Hofkirche der kurfürstlichen Herrschaften samt Hofstaat in den Blick. Der Autor Johannes Theil ist Pfarrer der Schlosskirche. Das Buch ist während Sommermusik auch in der Schlosskirche erhältlich. Bitte sprechen Sie uns an!